Patientensicherheit - medilang Fremdsprachenlösungen in der Medizin

Rainer Wilkens


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medilang - Digitale Fremdsprachenlösungen für die Medizin
Fremdsprachenlösungen für die Medizin
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Patientensicherheit

Der Patient hat erkennbar starke Schmerzen, sagte etwas, aber niemand versteht ihn - was nun?

Wenn ein Arzt nicht weiß, dass der Patient schwerer Diabetiker ist, lässt er die Verdachtsdiagnose auf Herzinfarkt aufgrund fehlender Brustschmerzsymptome womöglich fallen. Wenn er nicht erfragen kann und somit nicht weiß ,  dass ein Patient immungeschwächt ist, weil ihm die Milz entfernt wurde, kann er auch nicht wissen, dass seine Diagnose einer „einfachen Infektion" katastrophale Folgen haben kann.  Wenn er nicht weiß, dass ein Patient mit  Blutverdünner behandelt wird, kann er auch eine Gehirnblutung als Migräne fehl diagnostizieren.

Die Liste geht weiter mit dem Wissen um frühe Schwangerschaft, Allergien, Vorerkrankungen etc. Wie steht es um die Gewährleistung der Patientensicherheit, wenn die Kommunikation nicht funktioniert? Wenn in einer Studie 46 % der Ärzte zur Versorgung von Migranten erklären, dass ihnen wichtige Informationen zur Anamnese „oft zu spät" bekannt würden, dann wird das Ausmaß von Sprachbarrieren auf die Patientensicherheit sichtbar. Statistiken der Versicherer zeigen: Von allen Ursachen für Behandlungsschäden gehen 22 bis 28 % entweder auf eine falsch gestellte Diagnose, eine nicht oder zu spät eingeleitete Diagnostik oder eine Nichterhebung erforderlicher Befunde zurück.

Die vor 20 Jahren gefällten Referenz-Gerichtsurteile sehen im Dolmetschen aber keine medizinische Leistung, denn der Patient habe gemäß Behandlungsvertrag eine „Mitwirkungslast" beim Vortragen seiner Beschwerden. Es liegt in der Verantwortung des Patienten sich verständlich zu machen, und so kommen oft Familienangehörige in die Rolle von „Dolmetschern", wobei die Qualität dieser Übersetzungen vielfach zweifelhaft ist.

Im Gegensatz zur Patientenaufklärung gibt es für das Gelingen der Anamnese und Diagnose bei fremdsprachigen Patienten keine haftungsrechtlich relevante Vorschrift. Die gibt es nur für das Thema Patientenaufklärung und Einverständniserklärung. Hier müssen Ärzte, Dolmetscher - gleich welcher Art und Qualifikation – oder fremdsprachige Aufklärungsbögen einbeziehen. Flüchtlinge haben eta weder die finanziellen Mittel für professionelle Dolmetscher, noch verfügen sie in der Regel über Kontakte zu zweisprachigen Landsleuten. Von Seiten der Patientensicherheit aus gesehen ist das alles andere als ein befriedigender Zustand.

Bis heute fehlt eine durchgängige Prozessbeschreibung der medizinischen Versorgungskette bei der Behandlung von Patienten mit Sprachbarrieren und die Prozesskette in der Medizin beginnt mit der Diagnostik. Angesichts der skizzierten Kommunikationspathologien und aufgrund der in der Migrantenmedizin bekannten Phänomene von Mehrfachuntersuchungen mit Drehtüreffekten, erhebt sich folgende Frage: Wie sieht eine abgestimmte Prozessbeschreibung aus, die sich synergistische Effekte aus einem gemischten Einsatz von sowohl IT-basierten multimedialen Systemen und zweisprachig gedruckten Fragebögen als auch geschulten Dolmetschern zu Nutzen macht?

Wie lassen sich entlang der Versorgungs-Prozesskette die verschiedenen Übersetzungs-Instrumente mit all ihren Stärken und Schwächen kostenoptimal einsetzen, um die Prozesszeiten durch Nicht-Verstehen zu verkürzen und die Informationsqualität signifikant zu erhöhen? Wie sieht folglich der optimale Medienmix aus real time-Dolmetscher (ob physisch vor Ort oder via Skype), aus Fremdsprachen-Apps, Web-Applikationen und gedruckten Fragebögen aus, um durchgängig die Patientensicherheit zu gewährleisten?

So stellt der vom RKI verfasste GBE-Schwerpunktbericht "Migration und Gesundheit" zu den Perspektiven der Versorgung fest, dass "im deutschen Gesundheitssystem zunehmend Wirksamkeitsnachweise für neue Angebote und Maßnahmen gefordert werden, spezifische Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund aber noch selten evaluiert werden und dass auch gut gemeinte Ansätze nicht immer wirksam und hilfreich für die Zielgruppe seien".

Hierin liegt die Herausforderung!
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